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Vorweg einige persönliche Bemerkungen
 

Nun stehen auch Sie vor einer einschneidenden Erfahrung oder haben bereits die ersten Tage im Präpariersaal verbracht. Viele von Ihnen haben bisher keinen direkten Kontakt mit einem Toten gehabt und sollen nun eine Leiche sezieren. Das ist für jeden eine einschneidende Erfahrung. Das war es auch für mich.

Ich habe mein Medizinstudium in Mainz begonnen und erinnere mich noch sehr deutlich, wie ich vor über 35 Jahren als junger Student vom botanischen Garten zum Präpariersaal hochgesehen habe. „Da musst du durch, Kajo“, war mein Gedanke - und ich bin nur sehr ungern, mit sehr viel Überwindung, zum Präp.-Saal gegangen.

Es hat einige Zeit gedauert, bis der Gang durch den Präpariersaal an den mit Leinentüchern bedeckten Leichen für mich zum Alltag geworden war und ich mich an den Formalingeruch gewöhnt hatte. Das Fach Anatomie hat sich mir erst langsam, aber dann um so intensiver erschlossen. Irgendwie fügte sich das, was ich im Semester zuvor im Histologiekurs gesehen und gelernt hatte, mit dem, was ich nun in der makroskopischen Anatomie sah und lernte zu einem faszinierenden Bild von unserem Körper zusammen. Je mehr ich in den folgenden Jahren sah und mir anlas, desto mehr wurde der Begriff vom „menschlichen Körper als einem Kunstwerk der Natur“ für mich von einer leeren Metapher zur Überzeugung.

Ich will nicht philosophieren, will Ihnen nur die Scheu nehmen, Ihre Gefühle zuzulassen und sich aktiv damit auseinander zu setzen. Die Leiche, die Sie sezieren, ist ein Sinnbild für die Endlichkeit unseres Körpers. All das, was mit Tod zu tun hat, erzeugt in uns Angst – würden wir diese natürliche Gefühl nicht empfinden, wären alle Individuen unserer Art längst von anderen Lebewesen genüsslich vertilgt worden.

Als zukünftige Ärztin oder Arzt werden Sie häufiger mit Toten zu tun haben. Nutzen Sie die Erfahrungen, die Sie zur Zeit machen und durchleben, um sich mit Ihrer persönlichen Sinnfrage zu beschäftigen. Man kann diese Frage, mit der Sie später oft konfrontiert werden, nicht auf Dauer verdrängen. Zu meiner Studienzeit hieß es, die meisten Alkoholiker findet man in zwei Berufsgruppen, bei den Maurern – und bei den Ärzten. Die Flucht in den Alkohol oder in Drogen ist sicherlich nicht nur durch eine permanente Arbeitsüberlastung zu erklären. Mir hat das hautnahe Erleben in der Anatomie geholfen die Sinnfragen für mich zufriedenstellend zu beantworten.

 
 
 

 

Nun einige Hinweise, wie die Anleitung zum Präp.-Kurs gedacht sind.

  • Mit dieser Anleitung können Sie sich zu Hause auf Ihre Arbeit im Präp.-Saal vorbereiten oder einen Ausdruck zum Präparierkurs mitnehmen.
  • Diese Anleitung kann keinen Atlas und kein Lehrbuch ersetzen. Parallel müssen Sie in einem Lehrbuch lernen.
  • Die Präparierübungen bringen Ihnen nur etwas, wenn Sie vorbereitet in den Kurs gehen und wissen was Sie sehen werden und sehen wollen. Lesen Sie sich in einem Lehrbuch zu dem jeweiligen Körperteil, das Sie präparieren, den groben Aufbau durch, lernen Sie bei den Muskeln auch den Nerv, der den jeweiligen Muskel innerviert. Erarbeiten Sie sich zunächst ein Grundwissen, dass Sie anschießend vertiefen. Lernen Sie die ungefähren Verläufe von Nerven und Gefäßen. Sehen Sie sich auch die einzelnen Knochen in einem Atlas an – nicht jede beschriftete Struktur ist wirklich für Sie wichtig zu wissen, aber die wesentlichen Strukturen müssen Sie kennen.
  • Hinter vielen Ausführungen finden Sie eine Zahl auf gelben Hintergrund 2.22. Diese Zahl verweist auf eine Abbildung in dem von meiner Frau und mir herausgegebenen Atlas. Dieser Atlas wird von vielen Lehrenden kritisch bewertet, weil er nur ein begrenztes Bildmaterial anbietet. Lehrende wollen ihr Fach umfassend vermitteln, Lernende haben naturgemäß wenig Zeit. Als Student habe ich mit dem Sobotta und dem Pernkopf gearbeitet, tolle Atlanten, aber ich habe mich im Detaillernen verloren, weil ich nicht entscheiden konnte, was für mich wichtig zu wissen war.
    Daher haben wir uns bei dem Atlas die Vorgabe gemacht, alle Bilder, die für das Basis- und Prüfungswissen notwendig sind, aufzunehmen und bewusst das Bildmaterial auf 600 Abbildungen begrenzt. Selbst diese 600 Abbildungen dürften Sie während des Semesters kaum richtig erarbeiten können. Mailen Sie mir, welche Bilder Sie vermissen und welche Ihnen überflüssig erscheinen.
    Wenn Sie mit anderen Atlanten arbeiten, notieren Sie die jeweiligen Seitenzahlen, dann kann ich auch auf Abbildungen in diesen Atlanten verweisen.
  • Welcher Atlas ist der Anatomie am sinnvollsten? Ein gezeichneter Atlas hat den großen Vorteil der gleichzeitig ein Nachteil ist, dass er das zugrunde liegende Präparat überzeichnet, um so das Wesentlich besser hervorzuheben, ein fotografischer Atlas gibt das wieder, was Sie im Präpariersaal sehen sollten.
    Zum Einsehen erscheint mir ein gezeichneter Atlas am geeignetsten, im Präpariersaal bietet ein fotografischer Atlas die bessere Orientierung.
 

Eine Bitte an Sie.

  • Nach Beendigung Ihres Präparierkursus würde ich mich über ein konstruktives Fazit von Ihnen freuen.
  • Was ist Ihrer Meinung nach zu umfassend beschrieben, was Sie in Ihrem Kurs nicht haben präparieren können.
  • Welche Lücken sollten ergänzt werden.
  • Waren die Präparieranleitung verständlich geschrieben.
  • Was hätten Sie sich an Zusatzinformationen gewünscht.
  • Wo hätten Sie weitergehende Erklärungen erwartet.


Von Goethe soll der Satz stammen: „Denken ist interessanter als Wissen, aber nicht als Anschauen“. Für mein Empfinden hat er recht.

 

Ihnen wünsche ich, dass Sie in und durch Ihrem Präparier-Kursus viele wertvolle Erkenntnisse gewinnen.

 
K.J. Moll

 

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